Medien und Wahrheit – Einladung zur Jahrestagung des Netzwerks Medienethik 2020 (Februar)

Die “Fake News” stehen seit längerem im Zentrum medienkritischer Debatten. Das Netzwerk Medienethik geht bei seiner Jahrestagung im Februar 2020 dem Problem der Wahrheit auf den Grund. Die Herausforderungen von “Künstliche Intelligenz”, Daten und Algorithmen stehen dabei im Zentrum. – Im Programm: Spannende und bekannte Rednerinnen und Redner sowie Paper aus aktueller Wissenschaft. Herzliche Einladung!

Tagungswebsite mit Anmeldung: tagung2020.netzwerk-medienethik.de.

Der Informationsaustausch ist im Netz dichter und vielfältiger geworden. Gerüchte und Stammtischparolen können je nach Plattformlogik direkt neben journalistischer Berichterstattung erscheinen. Nicht immer ist nachvollziehbar, von wem welche Inhalte im netzöffentlichen Raum stammen und welche Absichten durch das Publizieren verfolgt werden.

Die Demokratisierung der Öffentlichkeit gelingt durchaus, etwa durch eine gestiegene Vielfalt an Publikationen, einem breiteren Meinungsspektrum und einer breiteren Beteiligung am öffentlichen Diskurs. Der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit zeigt aber auch damit verbundene ethische Problemlagen – “Fake News” und “Deep Fakes” sind dabei Probleme unter anderen.

Wahrheit und Sorgfalt

Die Tagung wird anhand verschiedener Themenkomplexen und Fallbeispiele die erkenntnistheoretische Frage nach Wahrheit stellen, die medienethischen Forderung nach Wahrheit und Sorgfalt im Journalismus reflektieren, aber auch Unterhaltungsformen und Social-Media-Veröffentlichungen nicht-journalistischer Akteure mit Blick auf die Wahrheitsnorm analysieren.

Am Vorabend der Jahrestagung (Mittwochabend) findet in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften eine Vortrags-Veranstaltung in Kooperation mit der Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Faktizität der Welt“ der Akademie statt.

Das Netzwerk Medienethik, seit über 20 Jahren der Treffpunkt der Kommunikations- und Medienethik in Wissenschaft und Praxis, behandelt die Wahrheitsnorm der Medien auf seiner Jahrestagung 2020. Herzliche Einladung an Medienleute und Kommunikationsexpertinnen, Bildungspraktiker und alle Wissenschaftler_innen!

Termin: Mi 19. – Fr 21. Februar 2020
Ort: München, Hochschule für Philosophie, Kaulbachstr. 31, 80539 München (U-Bahn „Universität“)
Anmeldung: unter tagung2020.netzwerk-medienethik.de, Anmeldeschluss 10. Februar 2020.

Eine Tagung des Netzwerks Medienethik und der DGPuK-Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik in Kooperation mit der Akademie für politische Bildung, Tutzing.

Neue ISD-Studie: Das Online-Ökosystem rechtsrextremer Akteur*innen

Im Rahmen eines von der Robert Bosch Stiftung geförderten Forschungsprojektes hat das Institute for Strategic Dialogue (ISD) das Zusammenspiel alternativer Online-Plattformen mit den großen Plattformen untersucht.

Alternativen Online-Plattformen, wie 4chan oder 8chan, kommt eine erhebliche Rolle bei extremistischen Gewalttaten, wie in Christchurch im März 2019 oder in Halle im Oktober 2019 zu, da sie nicht nur die Radikalisierung rechtsextremer Akteure im digitalen Raum befördern, sondern auch von den Tätern als Kanal genutzt werden, um ihre Verbrechen live zu streamen. Da große Online-Netzwerke wie Facebook und Twitter aufgrund des öffentlichen Drucks Maßnahmen gegen Hassrede und illegale Postings ergreifen, trägt dies dazu bei, dass rechtsextreme User auf kleinere, weniger regulierte Plattformen ausweichen.

Der Forschungsbericht des ISD thematisiert dabei folgenden Fragen:

  • Wie können Strategien gegen Rechtsextremismus im Netz das gesamte Online Öko-System in den Blick nehmen?
  • Welche innovativen Herangehensweisen zur Bekämpfung von Rechtextremismus im Netz sind erfolgreich?
  • Welche Handlungsempfehlungen lassen sich für Politik und Zivilgesellschaft ableiten?

Die Studie „Das Online Öko-System rechtsextremer Akteur*innen“ wird am 11. Februar 2020 um 18:30 Uhr in der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin mit anschließender Podiumsdiskussion vorgestellt. Hier finden Sie weitere Informationen.

Die Kontroverse um „TheBuzzard“

Meinungsvielfalt statt Echokammer: Das Startup “buzzard” präsentiert zu aktuellen Großthemen verschiedene Fakten und widerstreitende Meinungen, darunter auch mal radikale Positionen. Es startete mit Erfolg ein Crowdfunding – und wurde jetzt mit einem Shitstorm überzogen. Haben die Buzzard-Macher die Meinungsfreiheit zu weit ausgelegt?

Ein Kommentar von Michael Haller

Lieber mit Gleichgesinnten kommunizieren und Andersdenkende möglichst ignorieren: Dieser in verschiedenen Studien nachgewiesene Trend schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, verhärtet die Meinungsfronten und stärkt extremistisch eingestellten Gruppen am linken und rechten Rand des politischen Spektrums.

Was kann man dagegen tun?

Zwei Studenten kamen vor drei Jahren auf die Idee, eine Plattform einzurichten, die zu kontrovers bewerteten Ereignisthemen unterschiedliche Positionen und Meinungen präsentiert. Ihr Motto: „Informiere dich breit und divers zu aktuellen Themen“. Die beiden nannten ihre Initiative „the buzzard“; es arbeitete mit Betriebsmitteln, die man Selbstausbeutung nennt.  Immer wieder griffen sie aktuelle Kontroversen auf und scheuten sich auch nicht, globale Konfliktthemen anzureißen.

Screenshot von https://www.buzzard.org/

Themenbeispiel vom Juli 2018: „Sklaverei ist zwar überall auf der Welt verboten, aber nach wie vor weit verbreitet. Die UN schätzt, dass rund 40 Millionen Menschen weltweit als moderne Sklaven leben: Menschen, die für einen Hungerlohn zehn bis zwölf Stunden am Tag schuften müssen, kaum Rechte genießen und nicht fliehen können. Viele von ihnen schaffen Produkte und Lebensmittel, die wir in Deutschland zu Billigpreisen kaufen.“  Aufschlussreiche Beiträge zum Pro und Kontra dieser These wurden kuratiert, dazu Fakten und Hintergrund sowie Beiträge, die Auswege aufzeigen. Einige der benutzten Quellen: B 5 (Bayerischer Rundfunk), Guardian, Die Welt, Deutschlandfunk, der Blog von Jamie Oliver, World Economic Forum, der linksgrüne Aktivist Steffen Vogel und der Brite Daniel Nowland, der Tipps gibt, wie man „ethisch korrekter einkaufen“ könne.

Dieses Beispiel steht für viele andere, die belegen, dass es der Buzzard-Gruppe nicht allein um Meinungsvielfalt, sondern auch um Bedingungen geht, unter denen ein menschenwürdiges Leben möglich wäre: ein Stück Aufklärung im Fortgang meinungsbildender Diskurse. Weiterlesen