Kommunikationsfreiheit im digitalen Zeitalter – Neues Heft von Communicatio Socialis erschienen

Ethische Perspektiven zur Freiheit der Information, Kommunikation und der Medien thematisiert das aktuelle Heft von Communicatio Socialis. Das Heft ist online erschienen; einige Texte sind frei erreichbar. Nachrichtenvernachlässigung und die Pressefreiheit weltweit sind wichtige Themen im Heft. Horst Pöttker formuliert 12 Thesen über die Kommunikationsfreiheit im digitalen Zeitalter. – Communicatio Socialis ist eine Zeitschrift für Medienethik und Kommunikation in Kirche und Gesellschaft.

Medienethischer Schwerpunkt: Freiheit der Kommunikation

Eingangs stellt Horst Pöttker zwölf Thesen zur Kommunikationsfreiheit im digitalen Zeitalter auf. Einerseits, so Pöttker, tragen neue Kommunikationstechnologien dazu bei, die Vielfalt in der Medienlandschaft zu erhöhen und mehr Menschen Zugang zu Medien zu verschaffen; andererseits bergen sie das Potenzial, dass in sozialen Netzwerken rechtliche und berufsethische Schranken der Pressefreiheit unterlaufen werden. In diesem Kontext steht auch der Beitrag von Peter Kirchschläger, der das Spannungsfeld zwischen der Informations- und Meinungsfreiheit einerseits und dem Schutz der Privatsphäre andererseits durch rassistische und ausländerfeindliche Äußerungen oder Hassrede zunehmend strapaziert sieht.

Wer Informationen verbreitet, muss sich fragen, wie gewissenhaft das geschieht, denn Pressefreiheit ist nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht. Dazu gehört es, Themen nicht zu vernachlässigen. Dass es aber Mechanismen gibt, die dazu führen, dass bestimmte gesellschaftlich relevante Nachrichten ausgeblendet werden, steht bei Hektor Haarkötter im Fokus. Er befasst sich mit Agenda Cutting, journalistischem Mainstreaming und fehlender Diversity in Medienberufen.

Mit einem Bündel an Aktivitäten reagiert die Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ auf Bedrohungen für die Pressefreiheit. Auf die unterschiedlichen Problemlagen in autoritären Staaten und Transformationsländern geht Christian Mihr ebenso ein wie auf jene in etablierten Demokratien. Komplettiert wird dieser Überblick durch Erfahrungsberichte von sechs Journalistinnen bzw. Mitarbeiterinnen verschiedener Medienprojekte. 

Kommunikation in Kirche und Gesellschaft

Einer der Beiträge in der Rubrik Kommunikation in Kirche und Gesellschaft widmet sich ebenfalls dem Schwerpunktthema. Darin fragt Christoph Böttigheimer was die Freiheit des Wortes im Kontext von Kirche und Religion impliziert.

Serie „Grundbegriffe der Medienethik“

In der Serie „Grundbegriffe der Medienethik“ behandelt der 6. Teil das Stichwort „Tugend“ (Christian Thies). Einen Überblick über die Serie finden Sie unter grundbegriffe.communicatio-socialis.de.

Das neue Heft ist ab sofort online abrufbar. Die Artikel können auch einzeln erworben werden. Wie gewohnt erscheint die neue Ausgabe auch in gedruckter Form. Die Zeitschrift Communicatio Socialis wird im verzögerten Open Access publiziert: 12 Monate nach Erscheinen eines Artikels ist er frei im Netz zugänglich. Eine Reihe von (Universitäts-) Bibliotheken haben Communication Socialis lizensiert und gewähren ihren Nutzer_innen Zugriff auf die aktuellen Inhalte (siehe diese Übersicht).

Integration durch Medien – Aufgabe oder Auslaufmodell? Einladung zur Jahrestagung des Netzwerks Medienethik 2017

Integration, der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft, ist eine große ethische Herausforderung für die Medien. Diese Aufgabe wird aktuell besonders durch Zuwanderung, Flucht und Migration herausgefordert. Dies nimmt das Netzwerk Medienethik zum Anlass, Integration und Inklusion zum Thema ihrer Jahrestagung 2017 zu machen.

Tagungswebsite mit Anmeldung: tagung2017.netzwerk-medienethik.de.

"Integration" gilt als eine der wichtigsten Aufgaben der Massenmedien; in einer demokratischen Gesellschaft haben sie den Auftrag, zum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft beizutragen. Integration kann in einer pluralistischen Gesellschaft nur gelingen, wenn verschiedene gesellschaftliche Wirklichkeitsentwürfe und Werte zum Zuge kommen können. Massenmedien müssen sich somit daran messen lassen, ob es ihnen gelingt, einen Dialog zwischen Individuen mit ganz unterschiedlichen Einstellungen, Werten und Wirklichkeitsentwürfen herzustellen. Wie kann Inklusion funktionieren, welche Partizipationsmöglichkeiten haben die unterschiedlichen Menschen? Die Digitalisierung bedeutet zudem auch eine Auflösung medialer Akteure. Filterblasenbildung, Hass im Netz und Aufspaltung der Gesellschaft – Integration scheint eher ein Auslaufmodell zu sein und wirkt wie ein unerreichbares Ideal von gestern.

Vor diesem Hintergrund stellt Integration eine große ethische Herausforderung für die Medien dar. Dieses medienethische Feld der Integration/Inklusion wird aktuell besonders durch Zuwanderung, Flucht und Migration herausgefordert. Dies nimmt das Netzwerk Medienethik zum Anlass, Integration und Inklusion und ihre Anforderungen an die (digitale) Mediengesellschaft zum Thema ihrer Jahrestagung 2017 zu machen. – Medienschaffende und im Bildungsbereich Engagierte sind genauso angesprochen wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Medienethik, Kommunikationswissenschaften und den weiteren Sozial- und Geisteswissenschaften. Herzliche Einladung!

Termin: Do 16. – Fr 17. Februar 2017
Ort: München, Hochschule für Philosophie, Kaulbachstr. 31, 80539 München (U-Bahn „Universität“)
Anmeldeschluß: 6. Februar 2017; Anmeldung via Tagungswebsite tagung2017.netzwerk-medienethik.de.

Eine Tagung des Netzwerks Medienethik und der DGPuK-Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik in Kooperation mit der Akademie für politische Bildung, Tutzing.