Die Medien stehen im Zuge des Flugzeugabsturzes in der Kritik. Aber würde es nicht helfen, auch in der Medienkritik ein wenig herunterzufahren? Wenn Medienkritik selbst ein Aufreger wird, dann lautet mein Urteil: Überengagiert!
Die These, mit der man gerade viele Likes, Retweets, Beifall und entrüstet-schockierte Zustimmung erhält ist: „Mit dem Absturz der Germanwings-Maschine sind auch die Medien abgestürzt“. In 10000 von medienkritischen Tweets lesen wir von „Schande„, von „ich schäme mich“ oder „Ihr seid zum Kotzen„. Der Journalismus ist „erbärmlich„, der Presserat wird angefleht einzuschreiten und es wird gleich mitbehauptet, dass er das sowieso nicht macht, das ja auch nichts nützt und er mehr Rechte braucht. Auf den etablierten (Qualitäts-)Plattformen beginnt derweil die Berichterstattung über die Berichterstattung (hier oder hier).
Jetzt könnte die Frage lauten: Macht der Journalismus in der Berichterstattung über den Absturz der Germanwings-Maschine alles falsch oder alles richtig? Ohne Frage: Diese Überlegungen sind wichtig und müssen in den folgenden Wochen angestellt werden. Vieles ist gut, aber einiges ist auch schlecht gelaufen. Wie eigentlich immer in der Berichterstattung…
Kritik an der Journalismus- und Medienkritik
Was mich dagegen jetzt stört, ist die Empörungswelle über mutmaßlich schlechten Journalismus oder mutmaßlich „abstürzende“ Medien selbst. Gestern Mittag twitterte ich in diesem Sinne:
Schwierige Zeiten für einen Medienethiker. Die Entrüstung über journalistische Fehlleistungen wird Teil der Aufführung… #medienthik
— Alexander Filipovic (@afilipovic) March 26, 2015
Trotz des Schreibfehlers im Hashtag hat das einige Resonanz ausgelöst. Ganz richtig wird die Situation als Echtzeit-Medienkritik beschrieben – freilich eine, die im Modus der Empörung (und zum Teil im Modus der Verachtung) funktioniert. Warum kritisiere ich die Medien- und Journalismuskritik?