Die Berichterstattung über die NSU-Morde – ein Medienkritik

2015-02-20_164235Über ein ganzes Jahrzehnt hinweg versagten staatliche wie polizeiliche Ermittlungsbehörden in der Aufklärung von neun Morden und weiteren Gewaltverbrechen des “Nationalsozialistischen Untergrundes” (NSU). Dieses Totalversagen gipfelte auf entscheidender Ebene in dem Begriff der “Döner-Morde”, dem Unwort des Jahres 2012. Entscheidend deshalb, weil die Frage gestellt werden muss, inwieweit nicht auch ein  Medienversagen zu konstatieren ist.

Wurden journalistische Standards verletzt, indem Behördenergebnisse unhinterfragt übernommen wurden? Haben Journalisten durch unzulängliche Professionalität, mangelhafte Recherchen, spekulative Mutmaßungen und nicht zuletzt die diskriminierende Bezeichnungspraxis das Schüren von Vorurteilen in der Bevölkerung noch vorangetrieben?

Das Autorenteam Fabian Virchow, Tanja Thomas und Elke Grittmann untersucht in einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung erstmals die mediale Berichterstattung über die zwischen 2000 und 2006 begangenen Morde, die dem “NSU” zugerechnet werden. Ihre Studie trägt den Titel: “Das Unwort erklärt die Untat: Die Berichterstattung über die NSU-Morde – eine Medienkritik”.

Ihre Ergebnisse belegen, dass sowohl deutsch- als auch türkischsprachige Medien in keiner Weise ihrer Pflicht nachgekommen sind, gesellschaftliche Prozesse professionell zu beobachten, um eine kritische Öffentlichkeit fördern zu können.

Die Studie erhalten Sie online hier.

Stefan Plöchinger zur Zukunft des Journalismus

Ploechinger FotoStefan Plöchinger, Leiter von Süddeutsche.de und Mitglied der SZ-Chefredaktion, beurteilt am 12. Februar bei einem öffentlichen Abendvortrag in München die Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus. In seinem Vortrag geht es um die Frage, wieso der Journalismus in der digitalen Ära zu Transparenz, Dialog und Klarheit verpflichtet ist.

Sein Vortrag “Wider das Misstrauen in den Journalismus – Von Filterblasen und Meinungsmanie, Lügen- und Verschwörungstheorien” findet statt am Donnerstag, 12. Februar 2015 um 19:30 Uhr in der Hochschule für Philosophie (Aula, Kaulbachstr. 31, 80539 München, U-Bahn „Universität“)

Der öffentlich Abendvortrag von Plöchinger findet statt im Rahmen unserer Tagung “Die Zukunft des Journalismus – als Thema der Kommunikations- und Medienethik” (12.-13. Februar 2015). Für den Besuch der Tagung ist eine Registrierung notwendig; der Abendvortrag ist für alle Interessierte offen.

Mit Juliane Leopold (BuzzFeed), Elmar Theveßen (stellvertretender Chefredakteur, ZDF), Martin Kotynek (ZEIT online) und David Schraven (Correctiv) sprechen auf der Tagung weitere Journalistinnen und Journalisten, die den Journalismus der Zukunft mitgestalten. Weitere Informationen zur Tagung und Anmeldemöglichkeit auf http://tagung2015.netzwerk-medienethik.de. Anmeldeschluss ist der 8. Februar 2015.

Stefan Plöchinger, Jg. 1976, Journalist, ist seit 2011 Chefredakteur von Süddeutsche.de und seit 2014 Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Vorher war der Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München Politikredakteur bei der Münchner Abendzeitung, CvD-Redakteur bei der Financial Times Deutschland und dann in verantwortlicher Position bei Spiegel Online. Anfang 2014 wurde Plöchinger als “Kapuzenpulliträger” (Die Zeit, 20.3.2014) zu einem Sinnbild für eine Generation von Journalisten, die der Unterscheidung von Online und Offline für ihr Verständnis von Journalismus keine Bedeutung mehr zumessen. Bei der SZ arbeitet er auch an kontroversen Themen – so schloss er die Diskussionsforen unter Artikeln und plant nun ein Bezahlmodell für die Nachrichtenseite in Gestalt eines „Leserclubs“.

28.01.2015, 21.00 Uhr: Änderungen wegen Programmaktualisierung.