Trumps Angriffe auf die Medien – ein Interview mit Bernhard Debatin

Es wird immer deutlicher, dass die Präsidentschaft Trumps auch ein Feldzug gegen eine freie und plurale Medienlandschaft ist. Eine freie "Presse" mit einem der Demokratie und der Humanität verpflichteten Qualitätsjournalismus steht dem antidemokratischen Populismus seit jeher im Wege. Von dieser Warte aus sind die Angriffe Trumps auf die Medien verständlich. Trump und sein Berater Stephen Bannon haben jüngst eine neue Eskalationsstufe gezündet: die Medien werden als zu bekämpfende Oppositionspartei bezeichnet, unliebsame Medien werden von Pressekonferenze ausgeschlossen, der Präsident selbst sagt die Teilnahme am traditionellen Korrespondenten-Dinner ab.

Zu diesem Komplex hat jetzt der Medienforscher und Medienethiker Bernhard Debatin, von Anfang an aktiv im Netzwerk Medienethik, dem österreichischen Kurier ein Interview gegeben. Darin heißt es:

Die Medien sind für Trump „very fake“, „dishonest“ und „failing“; sie seien „ein Feind des amerikanischen Volkes“ – können Sie sich daran erinnern, wann sich zuletzt ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt so abfällig gegenüber Medien geäußert hat?

Mir wäre niemand bekannt. Ich bin ziemlich erschüttert, dass ein Präsident eines Land, das sich als die Wiege der Demokratie versteht, derartige Kampagnen gegen die Medien fährt. Speziell unter dem Blickwinkel, dass Medien in der Demokratie eine wichtige Rolle haben – sie werden ja auch oft als vierte Säule der Macht neben Legislative, Judikative und Exekutive bezeichnet.

Lesen Sie das ganze Interview bei kurier.at.

Wird die Integrationsfunktion der Medien zum „Auslaufmodell“? Bericht von der Jahrestagung 2017

Globalisierung und Digitalisierung führen tendenziell zu sozialer Desintegration, so Medienethikprofessor Alexander Filipović bei der Eröffnung der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik in München. Wird die Integrationsfunktion der Medien zum „Auslaufmodell“? Die Tagungsteilnehmenden waren sich einig, dass diese Aufgabe wichtiger ist denn je – angesichts aufkommender Nationalismen und Social Media-Kommunikation in Echokammern und Filterblasen. 

Wie können Journalist_innen diese Integrationsfunktion wahrnehmen, die nach Filipović darin besteht, Gesellschaft als Ganzes zu sehen und Einzelne einzubinden? Etwa Geflüchtete: „Darüber berichten wir genauso wie über andere Themen“, sagte Steffen Jenter, Politik-Ressortleiter beim Bayerischen Rundfunk. Er antwortete auf die Frage nach seiner ethischen Haltung, er verstehe sich als „Anwalt für Demokratie und Grundwerte, für Flüchtlinge geht mir persönlich zu weit.“  Gleichwohl kritisierte er die gängige Berichterstattung: Zu wenig über die Situation in den Herkunftsländern, jetzt vor allem über Abschiebungen und „wie wir die Leute schnell loswerden“.

Mit Transparenz legitimieren

Es gelte, im Dialog mit Rezipient_innen die richtige Sprache zu finden, den richtigen Umgang mit Scharfmachern, Hetze und Fake News im Netz, dem Vorwurf, „auf einer Seite zu stehen“, zu begegnen. „Wir müssen auf Facebook präsenter sein, unsere Arbeit transparent machen“, so Jenter, sonst gebe es ein „Legitimationsproblem“. Dabei sei seine Arbeit transparenter und werde stärker kontrolliert als die anderer News-Produzent_innen: „Wenn ich Mist baue, muss ich in den Rundfunkrat und da vorsingen.“

Die Angst vor dem Vorwurf der Parteinahme zeigte sich auch in der Diskussion über die Richtlinie 12.1 des Pressekodex und die Frage, ob und wann die Herkunft von Straftätern genannt werden darf. Medienwissenschaftler Tobias Eberwein hielt es „für ein Versäumnis“, dass die Anpassung der Antidiskriminierungsrichtlinie ausblieb und der Presserat sie bestätigte. Dass die Nicht-Nennung Normalfall sei, widerspreche der journalistischen Äußerungspflicht. Man solle die Ziffer 12.1 streichen, nur das allgemeine Diskriminierungsverbot beibehalten und die Entscheidung der Redaktion überlassen, ihr aber gleichwohl in Leitfäden Hilfestellung geben. In der anschließenden Diskussion gab es kritische Stimmen zur „Normalisierung“ von Exklusionsmerkmalen wie Herkunft oder Religion.

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