Neuerscheinung: „Migration, Integration, Inklusion. Medienethische Herausforderungen“

Integration in einer Gesellschaft war immer eine auch ethisch sehr bedeutsame Herausforderung für die Medien – und erhielt durch die aktuelle Situation der Zuwanderung weitere Relevanz. Wissenschaftler und journalistische Praktiker präsentieren in dem Anfang 2018 erschienenen Band „Migration, Integration, Inklusion“ Reflexionen, Analysen und Handlungsempfehlungen. Vorträge der Jahrestagung 2017 sind ein wesentlicher Kern des Buchs. Bestellen können Sie es z. B. beim Verlag. Einen Überblick über die Reihe Kommunikations- und Medienethik, in der es erschienen ist, erhalten Sie hier.

Journalismus mit hoher Qualität bildet möglichst alle Akteure einer Gesellschaft ab und öffnet ihnen ein Forum. Ein solcher Journalismus sieht in sozialen Funktionen und damit auch in der gesellschaftlichen Integration und Inklusion eine seiner Kernaufgaben. In einer demokratischen Gesellschaft haben Medien den Auftrag, zum sozialen Zusammenhalt beizutragen – und zwar öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten ebenso wie privat-kommerzielle Medien. Alle sind aufgefordert, zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu vermitteln. Die Bewältigung solcher Aufgaben war immer schon eine große und ethisch sehr bedeutsame Herausforderung für die Medien. Unter den Bedingungen des digitalen Wandels der Medienlandschaft und in der aktuellen Situation der Zuwanderung ist sie noch gewachsen. Wissenschaftler und journalistische Praktiker reflektieren die Möglichkeiten und Grenzen, gesellschaftliche Integration zu rahmen und zu unterstützen.

Mit Beiträgen von Mariella Bastian, Janis Brinkmann, Bernhard Debatin, Tobias Eberwein, Korbinian Eisenberger, Susanne Fengler, Alexander Filipovic, Regina Greck, Michael Haller, Jessica Heesen, Volker Herres, Steffen Jenter, Katja Kaufmann, Larissa Krainer, Carmen Krämer, Nina Köberer, Kerstin Liesem, Sandra Müller, Colin Porlezza, Marlis Prinzing, Mareike Schemmerling, Michael Schröder, Leonie Seng, Fabian Sickenberger, Judyta Smykowski, Ingrid Stapf, Kati Stuckmeyer, Anna Carina Zappe sowie Interviews mit Marcus da Gloria Martins und Rieke Havertz.

Informationen

Marlis Prinzing / Nina Köberer / Michael Schröder (Hrsg.): Migration, Integration, Inklusion. Medienethische Herausforderungen und Potenziale für die digitale Mediengesellschaft (Bd. 8 der Reihe Kommunikations- und Medienethik), Baden-Baden (Nomos) 2018.

276 S., 64,00 €, ISBN: 978-3-8487-4304-9

Den Flyer mit allen Angaben erhalten Sie hier.

Aus dem Inhalt

  • Einleitung: Guter Journalismus bildet die Gesellschaft in ihrer Vielfalt ab. Medienethische Herausforderungen und Potenziale von Integration in einer digitalen Mediengesellschaft – Marlis Prinzing, Nina Köberer, Michael Schröder

 1. Soziale Funktionen von Medien: Alter Leistungsanspruch – neuer Sinn?

  • Der Zusammenhang von Integration und Medien in ethischer Perspektive – eine Einführung – Alexander Filipović

 2. Mediale Wirklichkeiten: Spannungsfelder beim Berichten über Flucht und Migration

  • Die „Flüchtlingskrise“: Ethische Herausforderungen für Medien in Europa und Afrika – Migrationsberichterstattung in 11 afrikanischen und europäischen Ländern – Susanne Fengler, Mariella Bastian, Janis Brinkmann, Anna Carina Zappe
  • Und dann kam Charlie Hebdo – Muslime in den Fernsehnachrichten – Fabian Sickenberger
  • Zwischen Brennpunkt und Integration. Frames in der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise in der deutschen Regionalpresse – Regina Greck

3. Perspektiven: Konzepte zur ethischen Neuvermessung der Integrationsleistung 

  • Integration durch Partizipation? Funktionen (und Fehlleistungen) des digitalen Bürgerjournalismus – Tobias Eberwein, Colin Porlezza
  • Bewusst alte Muster durchbrechen? Anwaltschaftlicher und konstruktiver Journalismus etc. aus ethischer Perspektive – Marlis Prinzing
  • Konstruktiver Journalismus – mehr zeigen von der Welt? Medienethische Analyse verschiedener Berichterstattungsansätze über Flüchtlinge – Leonie Seng

4. Reflexionen: Berichten und Forschen über Menschen auf der Flucht und in Not

  • Mit Kriegsflüchtlingen über ihre Smartphone-Nutzung auf der Flucht sprechen: Eine forschungsethische (Selbst-)Reflexion – Katja Kaufmann
  • Menschenwürde – Flucht – Medien. Reflexionen zu Ziffer 1 des deutschen Pressekodexes im Kontext der Medienberichterstattung über Flucht – Carmen Krämer
  • Instrumente der medienethischen Reflexion – Fallanalysen und konstruktive Beispiele für Arbeit auf der Metaebene – Larissa Krainer
  • Die „Willkommenskultur“ der Medien: Wunschbild, Leitbild, Zerrbild – Michael Haller

5. Integration und Verantwortung: Handreichungen aus der Praxis und für die Praxis

  • Integration in Zeiten des Populismus. Donald Trump und die (mangelnde) Integrationskraft der Medien – Reflexion und ein medienethisch-medienpraktisches Zwiegespräch mit Rieke Havertz – Bernhard Debatin
  • Integration im Ausnahmezustand. Die (schwache) Integrationswirkung öffentlicher Kommunikation in Terrorlagen, dargestellt am Beispiel des Amoklaufs vom 22. Juli 2016 in München – Reflexion und ein medienethisch-polizeipraktisches Zwiegespräch mit Marcus da Gloria Martins – Marlis Prinzing
  • Integration durch Teilhabe am Programm – Volker Herres
  • Die Flüchtlingssituation und die Aufgabe des Journalismus – Perspektiven aus der Praxis – Steffen Jenter 
  • Erfahrungsbericht 1: Über Integration berichten in turbulenten Zeiten („Meßstetten. Tausende Asylsuchende als Nachbarn“. Eine multimediale Langzeitreportage vom SWR 4 Baden-Württemberg – Sandra Müller
  • Erfahrungsbericht 2: Flüchtlinge als Medienmacher (Kolumne von Flüchtlingen in der Süddeutschen Zeitung – Kerstin Liesem, Korbinian Eisenberger
  • Erfahrungsbericht 3: Wie nutzen geflüchtete Menschen Medien? (Berichte von Betroffenen und ihre Vorstellungen von „guten“ Medien) – Jessica Heesen
  • Erfahrungsbericht 4: Über Menschen mit Behinderung berichten (Internetplattform Leidmedien.de des Vereins Sozialhelden e.V.) – Judyta Smykowski
  • Erfahrungsbericht 5: Integration als Thema und Ziel in der Medienarbeit mit (geflüchteten) Kindern und Jugendlichen – Nina Köberer, Mareike Schemmerling, Ingrid Stapf, Kati Struckmeyer

Alexander Filipovic

Professor für Medienethik an der Hochschule für Philosophie München

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