Call for Papers zur Jahrestagung 2012: Echtheit, Wahrheit, Ehrlichkeit

Die DGPuK-Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik und das Netzwerk Medienethik laden zusammen mit der DGPuK-Fachgruppe „Computervermittelte Kommunikation“ die interessierte Fachöffentlichkeit mit einem Call for Papers herzlich ein, sich an unserer Jahrestagung (Do 16. – Fr 17. Februar 2012 in München) zu beteiligen.

Thema der Tagung: „Echtheit, Wahrheit, Ehrlichkeit. Die ethische Frage nach ‘Authentizität’ in der computervermittelten Kommunikation“.

Die neue Frage nach der Authentizität: Fast zwanzig Jahre nach Beginn der gesellschaftlichen Verbreitung des Internets gewinnen Fragen nach der Authentizität computervermittelter Kommunikation neues Gewicht. Persönliche Selbstdarstellung, Beziehungspflege und Kommunikation im Netz sind nicht mehr auf eine Avantgarde beschränkt, sondern spätestens mit dem durchschlagenden Erfolg von Netzwerkplattformen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Durch die enormen Datenmengen, die im Rahmen computervermittelter Kommunikation anfallen, lässt sich die eigene persönliche Identität kaum noch verbergen: “on the internet, everybody knows what kind of dog you are“.

Post-Privacy und Askese: Die Debatte um die Konstruktion digitaler Identitäten spannt sich mittlerweile auf zwischen zwei Polen: Einerseits Vertreter der „Post-Privacy“-Ära, die eine offensive Strategie öffentlicher Identitätskonstruktion propagieren, andererseits Vertreter einer extremen Zurückhaltung im Netz, die den „digitalen Selbstmord“ loben und zu Datenaskese auffordern.

Vielfalt der Perspektiven: In diesem Kontext möchte die Tagung Beiträge einladen, die sich mit der Frage nach Authentizität in der computervermittelten Kommunikation beschäftigen. Dabei ist eine Vielfalt der Perspektiven ausdrücklich erwünscht: Es sind sowohl empirische Beiträge denkbar, die sich mit der Frage beschäftigen, wie „ehrlich“ die digitalen Identitätskonstruktionen sind, wie „offen“ Kommunikationsstrategien gesellschaftlicher Akteure im Netz sind, oder auch wie Probleme von Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit, Privatsphäre etc. durch Bürger beurteilt werden. Ebenso sind theoretisch-konzeptionelle Analysen zu Konfliktfeldern wie Öffentlichkeit-Privatheit, Transparenz-Anonymität oder auch zur Frage erwünscht, wie die in der Verfassung formulierten Grundwerte Menschenwürde, Freiheitsrechte, Persönlichkeitsschutz, Meinungsfreiheit etc. vor dem Hintergrund der Authentizität von Kommunikation abzuwägen sind. Hierbei sind auch medienethische Thematisierungen der Fragen denkbar, ob „Authentizität“ einmedienethischer Wert ist, wie dieser in der Medienregulierung zum Tragen kommt und inwieweit diese Begriffe im Zuge des Medienwandels Veränderungen unterworfen sind.

Den ausführlichen Call for Papers erhalten sie hier. Die Veranstalter freuen sich auf Ihre Beitragsvorschläge.

Alexander Filipovic

Professor für Medienethik an der Hochschule für Philosophie München

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